Paderborn / Peru.

Gespendete Feuerwehruniformen reisen per Seekiste nach Peru. Der Paderborner Feuerwehrmann Florian Brandt hat ein Jahr lang Einsatzjacken, -hosen, Handschuhe und Stiefel für die Bomberos Volontarios in Lima gesammelt.

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Paderborn. Ein Jahr lang hat Florian Brandt bei der Feuerwehr Jacken, Hosen, Handschuhe, Stiefel und Helme gesammelt. Jetzt ist eine gewichtige Seekiste auf dem langen Weg nach in die Hafenstadt Callao in Peru. Empfänger sind die Bomberos Volontarios, die freiwilligen Feuerwehrleute, auf der Wache der Compañia International 14 in der peruanischen Hauptstadt Lima.
Der 37-jährige Oberbrandmeister der Paderborner Feuerwehr, der als beruflicher Feuerwehrmann in der Wachschicht I auf der Wache Nord am Österreicher Weg Dienst tut, hat eine besondere Beziehung zur Feuerwehr in Lima. Als 14-jähriger wanderte gemeinsam mit seiner Mutter Miriam, einer Peruanerin, für vier Jahre in das südamerikanische Land aus. Als begeisterter Jugendfeuerwehrmann klopfte der Heranwachsende nach einiger Zeit auf der Wache 14 an und trat dort als Anwärter in die Freiwillige Feuerwehr ein und erlebte so den Einsatzdient in der Hauptstadt.

In dieser Zeit entstanden viele Freundschaften, und manche davon haben bis heute Bestand, berichtet Florian Brandt. Bei verschiedenen Reisen nach Lima hat er auch immer wieder seine Bomberos besucht. Dabei fiel ihm immer wieder auf, wie schlecht es um die persönliche Schutzausrüstung der Freiwilligen in der Hauptstadt bestellt ist. Anders als in Deutschland gibt es in der rund acht Millionen Einwohner zählenden Stadt Lima keine berufliche Feuerwehr. Alle 58 Wachen sind ausschließlich mit Freiwilligen besetzt, die auch den Rettungsdienst bestreiten. Berufsfeuerwehren sind in Peru unbekannt.

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Parallel zum anspruchsvollen Einsatz im Ehrenamt haben alle Volontarios noch einen normalen Beruf, der sie und ihre Familien über Wasser halten muss. Aufwandsentschädigungen und Lohnfortzahlung sind in Peru Fremdworte, und selbst für die eigene Ausbildung müssen die Bomberos tief in die Tasche greifen.
In der Acht-Millionen-Stadt gibt es 20 Hubrettungsfahrzeuge, von denen nur jede zweite funktioniert. Zum Vergleich: In Berlin, mit knapp vier Millionen Einwohnern nur halb so groß wie Lima, gibt es stets 40 einsatzbereite Hubrettungsfahrzeuge.
Angesichts dieser Notlage dachte Florian Brandt an die vielen Ausrüstungsgegenstände, die, obwohl äußerlich unbeschädigt, aufgrund von Vorschriften der Unfallkassen nach bestimmten Fristen ausgemustert werden müssen. Unterstützt von seinem Bruder Sebastian, Berufsfeuerwehrmann in Köln, begann er, bei den Feuerwehren im Umkreis von rund 100 Kilometer über persönliche Kontakte Kleiderspenden für die Kameraden in Peru einzuwerben. Fündig wurde er beispielweise bei den Wehren in Paderborn, Brakel, Schloss Holte-Stukenbrock und Bad Oeynhausen. Leider war manch gespendetes Stück dann doch nicht mehr einsatztauglich oder musste von einer Schneiderin für kleines Geld auf Vordermann gebracht werden.
Am Ende waren es 19 Sätze moderner Brandschutz-Bekleidung, 17 Rettungsdienstjacken, 12 Paar Handschuhe, 15 Paar Stiefel, vier Helme und 35 Flammschutzhauben. Das alles fand Platz in der großen Seekiste, die von der Spedition Hartmann abgeholt und nach Hamburg spediert wurde. Dort geht es an Bord der „MS Polar Chile“ über den Atlantik Richtung Peru.
Mitte April wird die Kiste von den Bomberos im Hafen von Callao abholt. Mitte Mai fliegt Florian Brandt nach Chile, um die Ausrüstungsteile an Cesar Patiño, den Chef der Compañia International 14, zu übergeben.
Spätestens dann werden die Sorgen vergessen sein, die die Spendenaktion dem 37-Jährigen bereitet hat. Denn er hatte die Vielzahl von Details und Vorschriften, die es zu beachten gilt, vollkommen unterschätzt. Gemeinsam mit vielen Helfern löste er jedoch alle Probleme bis hin zur Verzollung und dem Speditionstransport, bei dem ihn die „Hartmänner“ nach Kräften unterstützten.
Schon heute freuen sich Brandts Kameraden in Lima auf den großen Tag. Chef Patiño kommentiert die Aktion wie folgt: „Ich bin sehr dankbar, dass Menschen in Deutschland unseren Notstand erkannt haben und dafür sorgen, dass wir sicher aus den Einsätzen zurückkehren können“.

Bericht: Ralph Meyer