17. Oktober. Paderborn Sennelager.

Truppenübungsplatz sichert Überleben der britischen Feuerwehr. “Defence Fire and Rescue Service” ist trotz Abzug der Briten gerettet. Feuerwache in der Normandy-Kaserne wird erweitert, und eine neue Fahrzeuggeneration rollt an.

  • Sennelager

 

Paderborn-Sennelager. 2017 war die Stimmung bei den Angehörigen der britischen Militärfeuerwehr in Sennelager, dem „Defence Fire and Rescue Service“, auf dem Tiefpunkt ankommen. Der Abzug der britischen Streitkräfte, den Premier David Cameron 2010 angekündigt hatte, erreichte auch Paderborn, und die in der Region stationierten Einheiten bereiteten sich auf ihren Abzug vor. Die militärische Weiternutzung der Senne stand in den Sternen. Im März 2018 wurden die Kündigungen für sämtliche Zivilangestellten der britischen Armee für Ende 2019 ausgesprochen – auch für die Feuerwehrangehörigen. Viele Beschäftige nahmen an Fortbildungskursen teil, andere fanden eine alternative Stelle. Aber in 2019 gab Großbritannien bekannt, die Senne auch in Zukunft militärisch zu nutzen. Mit dieser Entscheidung war nach jahrelanger Zitterpartie auch die Zukunft der Feuerwehr in Sennelager gesichert, denn wo geübt wird, muss auch der Brandschutz sichergestellt sein.
 
Heute blicken Ralf Husemann, der Leiter der Feuerwehr in Sennelager, und seine 30 Einsatzkräfte entspannt in die Zukunft. Allein zehn neue Kräfte wurden in den vergangenen Monaten neu eingestellt. Alle haben bereits eine Ausbildung bei freiwilligen Feuerwehren hinter sich. Auf den 58-jährigen Husemann, dessen Großvater und Vater bereits „beim Engländer“ in der Feuerwehr gearbeitet hatten, warten plötzlich viele neue Herausforderungen. In der Normandy-Kaserne hat die Feuerwehr deutlich mehr Platz bekommen. Durch die Erweiterung der Feuerwache sind neue Büroräume und ein Fitnessbereich entstanden. 
 
Die beiden Hilfeleistungslöschfahrzeuge britischer Herkunft sind inzwischen 17 Jahre alt, und auch die beiden Waldbrandtanker mit je 4.000 Liter Fassungsvermögen gehören inzwischen zum alten Eisen. Es ist Zeit für eine neue Fahrzeuggeneration, die europaweit ausgeschrieben werden muss. Dazu steht die Einheit in Sennelager in engem Kontakt mit dem britischen Hauptquartier der Militärfeuerwehr.
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Auch über die Ausbildung macht sich Ralf Husemann viele Gedanken. Bislang wurden die „Firefighter“ an einer eigenen Schule in Mönchengladbach ausgebildet. Doch auch diese Schule ist inzwischen Geschichte. Zurzeit prüft die Wache in Zusammenarbeit mit ihrem Hauptquartier in Großbritannien zukünftige Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten.  30 Mitarbeiter zählt die britische Feuerwehr in Sennelager. Gearbeitet wird in zwei Wachabteilungen im Zwei-Tage-Rhythmus. Acht Einsatzkräfte müssen mindestens im Dienst sein. Auch wenn die Hauptaufgabe bei der Sicherstellung des Brandschutzes auf dem Truppenübungsplatz liegt, so sind die britischen Feuerwehrleute auch bei Einsätzen der Paderborner Feuerwehr im Raum Sennelager ein vertrautes Bild. 

 

Im Umkreis von drei Kilometern um die ständig besetzte Wache wird die Einheit grundsätzlich bei allen Brandschutz- und Hilfeleistungseinsätzen mitalarmiert „Diese Zusammenarbeit hat sich in zwei Jahrzehnten bestens bewährt und ist in der Alarm- und Ausrückeordnung fest verankert“, sagt Ralf Schmitz, Leiter der Paderborner Feuerwehr. Nicht selten ist der „Defence Fire and Rescue Service“ als erster an der Einsatzstelle. Sollten die Helfer einmal wegen eines eigenen Einsatzes nicht zur Verfügung stehen, meldet der Wachhabende das der Leitstelle, so dass bei Bedarf sofort Ersatz disponiert werden kann. Im vergangenen Jahr hatte die britische Feuerwehr 295 Einsätze, und neun Mal unterstützte die britische Feuerwehr die Paderborner Feuerwehr im Einsatz. Dazu kam noch elf Lotsenfahrten für Rettungsdienst und Notarzt auf dem Militärgelände. Der vorbeugende Brandschutz genießt einen hohen Stellenwert in der britischen Armee, neben wiederkehrenden Brandschauen ist der „Defence Fire und Rescue Service“ auch für die technischen Brandschutzmassnahmen verantwortlich.  

 

Seit 1953 gibt es in Sennelager eine britische Feuerwehr. Die Defence Fire & Rescue Station in der Normandy-Kaserne ist zuständig für den Brandschutz auf dem 116 Quadratkilometer großen Truppenübungsplatz Senne. Die Senne wird seit 1881 als Kavallerie-Übungsplatz genutzt. 1891 wurde das Areal zu einem Truppenübungsplatz erweitert, der seit Kriegsende unter britischer Verwaltung steht. Seit 2019 steht fest, dass Briten, Bundeswehr und weitere NATO-Staaten die Senne auch nach dem Abzug der britischen Streitkräfte aus Deutschland nutzen werden. Der benötigte britische Fahrzeugpark wird in der Athlone-Kaserne an der Husarenstraße stationiert und an die übende Truppe ausgeliehen. Auch die Wartung zwischen den Übungen wird dort stattfinden. Mehrere hundert britische Soldaten werden dazu dauerhaft in Paderborn stationiert. Pro Jahr wird der Platz rund 44 Wochen militärisch genutzt.  

 

Ralph Meyer