Bilanz eines besonderen Feuerwehrjahrs zog die Feuerwehr Paderborn bei ihrer Jahreshauptversammlung, die am Freitagabend im Elsener Bürgerhaus stattfand. Im Mittelpunkt des Jahres standen die Veranstaltungen zum 150-jährigen Bestehen der Paderborner Feuer, die zum Jahresende 1.091 Mitglieder zählt. Ludger Schmidt sprach von einem „erfolgreichen und würdigen Jahr“ für die Paderborner Wehr.
Paderborn-Elsen.„Das Jubiläum war auch ein starkes Zeichen für unsere Zukunft. Es hat gezeigt, wie groß der Rückhalt unserer Feuerwehr in der Stadtgesellschaft ist und wie stark unsere Gemeinschaft innerhalb der Feuerwehr ist“, sagte Schmidt. Die Resonanz der Bürger auf die Veranstaltungen an der Feuer- und Rettungswache Süd sowie im Neuhäuser Schlosspark nannte er „überwältigend“.
Den zehn Löschzügen gehören 351 Feuerwehrleute an. Im Hauptamt arbeiten 319 Kräfte bei der Feuerwehr und im Rettungsdienst. Die Jugendfeuerwehr zählt 113, die Kinderfeuerwehr 36 Angehörige. Der Ehrenabteilung gehören 113 Mitglieder an, und die beiden musiktreibenden Züge zählen 131 Musizierende im blauen Rock. Mitgliederstärkste Einheit ist der Löschzug Sande mit 49 Feuerwehrleuten, mit 18 Kräften ist die Einheit Stadtheide die kleinste der Feuerwehr.
Die Paderborner Wehr rückte im vergangenen Jahr 668 Mal im Brandschutz und zu 1.578 Hilfeleistungen aus. Im Fünfjahresvergleich sind die Zahlen um rund ein Fünftel gestiegen. Außer dem Starkregen am 14. Juni, der der Feuerwehr gleich 200 Einsatzstellen bescherte, gab es keine Extremwetterereignisse. Im Rettungsdienst rückte die Feuerwehr zu 20.966 Einsätzen in der Notfallrettung, 9.634 Fahrten im Krankentransport und 5.213 Notarzteinsätzen aus. Im Vergleich zu 2020 sind die Zahlen in der Notfallrettung um mehr als 27 Prozent angestiegen.
Die Paderborner Feuerwehr beschrieb Schmidt als „eine Wertegemeinschaft“, gekennzeichnet durch Kollegialität, Kameradschaft, Professionalität und Respekt. Wörtlich fügte er hinzu: „Extremismus, Ausgrenzung und Diskriminierung haben bei uns keinen Platz“. Mit Blick auf die Finanzsituation der Stadt sagte er: „Die Freiwillige Feuerwehr ist kein freiwilliger Luxus , sonder ein elementarer Bestandteil lm der öffentlichen Sicherheit“.
Zunehmend ist die Feuerwehr auch in den Bereichen Katastrophen-, Bevölkerungs- und Zivilschutz gefordert. Die Paderborner Wehr hat Notfallstrukturen aufgebaut, um vor längeren Stromausfällen gewappnet zu sein. Beim Zivilschutz, dem Schutz der Bevölkerung bei militärischen Konflikten oder hybriden Bedrohungen, wären die Feuerwehren und Hilfsorganisationen ein zentraler Bestandteil der Gefahrenabwehr, so der Leiter der Feuerwehr. Bürgermeister Stefan-Oliver Strate nannte die Feuerwehr „vorbildlich“ und einen „verlässlichen Partner im städtischen Zusammenhalt“. Für die Feuerwehr will Strate im laufenden Jahr rund 4,8 Millionen Euro in Fahrzeuge und Ausrüstung investieren, beim Rettungsdienst sind es 2,2 Millionen Euro. „Sicherheit ist nicht umsonst“, kommentierte er diese Zahlen.
Vize-Landrat Hans-Bernd Janzen bezeichnete die Feuerwehr als „tragende Säule der Gesellschaft“. Ähnlich äußerte sich aus Norika Creuzmann, Landtagsabgeordnete der Grünen. Für sie ist die Feuerwehr geprägt von Verantwortung, Mut und Zusammenarbeit. Staatssekretär Daniel Sieveke aus dem Heimat- und Kommunalministerium kritisierte mangelndes Fehlerbewusstsein in einer Zeit, in der die Gesellschaft auseinanderdrifte.
Kreisbrandmeister Stephan Reckhaus, zugleich Leiter des Amtes für Katastrophenschutz beim Kreis Paderborn, bemängelte die abnehmende Selbsthilfefähigkeit in der Bevölkerung. Wörtlich ergänzte er: „Katastrophenschutz funktioniert nur, wenn die Menschen mitmachen“. Nur so könne die Resilienz der Bevölkerung erhöht werden. Anschließend überreichte er Ludger Schmidt die Ernennungsurkunde zum bestellten Einsatzleiter für Großeinsatzlagen.
Robert Siemensmeyer, bislang stellvertretender Leiter der Feuerwehr, verabschiedete sich vor den versammelten Feuerwehrleuten aus dem Amt. Er war nach den Kommunalwahlen zum ersten Stellvertreter des Bürgermeisters gewählt worden und hatte auf das Amt bei der Feuerwehr verzichtet, um mögliche Interessenskonflikte zu vermeiden. Sichtlich gerührt sagte er nach mehreren Jahrzehnten im aktiven Einsatzdienst: „Es ist das Ende eines Lebensabschnitts“.
Ehrungen bei der Jahreshauptversammlung
Für 35-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr erhielten Tobias Hillen, Markus Pahls, Dirk Schlichting und Sven Wetter das Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes in Gold. Mit dem Ehrenzeichen in Gold mit Goldkranz für 50-jährige Treue wurde Reinhard Kurte ausgezeichnet. Die Sonderauszeichnung des Verbandes der Feuerwehren (VdF) Nordrhein-Westfalen für 50-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr erhielten Werner Agnesens, Franz-Josef Bathe, Martin Beineke, Norbert Bröckling, Bernd Hanselle, Christoph Hoischen, Josef Höschen, Wilhelm Huck, Reinhard Kurte, Alexander Lüke, Werner Möller, Günter Pöhler und Ulrich Waschkowski, Die Auszeichnung für 60-jährige Mitgliedschaft tragen Hans-Joseph Bee, Hermann Hustedt, Helmut Keuper, Karl-Franz Menne, Albert Prior, Hubert Spier, Josef und Karl-Heinz Wecker.
Mit der Sonderauszeichnung des Verbandes der Feuerwehren (VdF) in Nordrhein-Westfalen für 70-jährige Mitgliedschaft wurde Ernst Wewer ausgezeichnet. Für Verdienste um das Feuerschutzwesen zeichnete der Stadtfeuerwehrverband Paderborn Holger Hesse und Dennis Happemit dem Ehrenkreuz in Silber aus. Das Kreuz in Gold erhielt Günter Lütkemeier. Mit der Goldenen Ehrennadel des Stadtfeuerwehrverbandes wurde die langjährige Ratsfrau Brunhilde Konersmann ausgezeichnet.
Bericht und Fotos: Ralph Meyer