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24. März. Bad Lippspringe, Blumenviertel.

Das ist der GAU für jede Feuerwehr: Fünfeinhalb Stunden nach dem ersten Alarm stand der Rohbau an der Einmündung vom Anemonenweg in die Rosenstraße erneut in Flammen. Und diesmal blieb es nicht bei einem Loch in der Dachschräge. Jetzt brannte der gesamte Dachstuhl.


Bad Lippspringe. Mehrere Stunden brauchten die mehr als 60 Feuerwehrleute, um einen Totalverlust des Rohbaus, der in Holzrahmenbauweise errichtet wird, zu verhindern. Um 22.08 Uhr schauten viele Feuerwehrleute entgeistert auf ihre Meldeempfänger oder auf die Alarm-App im Mobiltelefon. Wie am Nachmittag hieß das Stichwort auch diesmal „Dachstuhlbrand“.

Der böig auffrischende Wind aus Südwest blies unablässig durch die Giebelfenster im Obergeschoss und fachte die Flammen, die sich tief in die Dämmung und hinter die Dampfschutzfolien gefressen hatten, immer wieder an. Schon den ersten Kräften an der Einsatzstelle ist klar: „Das kriegen wir diesmal nicht in einer halben Stunde hin.“ Und sie sollten Recht behalten, denn das Feuer war mehr als sechs Stunden gelöscht.

Obwohl die Feuerwehr mit sieben Trupps unter Atemschutz vorging - im Einsatz sind vier C-Rohre, zwei leistungsstärkere B-Rohre und das Wenderohr an der Drehleite - zeigt das Löschwasser kaum Wirkung, es kann die Glutnester kaum erreichen. Gegen 22.26 Uhr wurde auch wieder der Löschzug Marienloh der Feuerwehr Paderborn zur Unterstützung gerufen. Diesmal rückten 15 Kräfte gleich mit zwei Fahrzeugen an, berichtet Einsatzleiter Christian Hoffbauer, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Bad Lippspringe.

Um 22.35 brannte der Firstbereich in Gebäudemitte auf mehreren Metern Länge durch, und die Flammen loderten meterhoch in den Nachthimmel. Über Leitern und das Baugerüst enterten die Feuerwehrleute den Dachstuhl. Immer wieder flammte es im Inneren auf. Die Einsatzkräfte sägten Dämmung und Dampfsperren von innen auf, um die Flammen nach und nach zu löschen. Erst gegen 5.45 Uhr war der Einsatz beendet, und eine Brandwache blieb noch bis gegen 8 Uhr an der Brandstelle. Auch die Schläuche blieben zunächst liegen.

Der Abrollbehälter Atemschutz der Feuerwehr Paderborn sorgt für den benötigten Nachschub an Atemluftflaschen, und mit dem Gerätewagen Rettung unterstützte die Wehr aus der Nachbarstadt auch den Transport an kontaminierter Einsatzbekleidung und Ausrüstung. Mit rund zehn Kräften war die ehrenamtliche Einheit Stadtmitte im unterstützenden Einsatz tätig. Hilfe bekam die Feuerwehr Bad Lippspringe, die mit 29 Kräften im Einsatz war, von den Hilfsorganisationen, unter Federführung der Johanniter. Rund 15 Helfer sorgten gegen 1.30 Uhr für heißen Kaffee und Bockwürstchen für die Feuerwehrleute.

Für die Einsatzkräfte war es ein Rätsel, wie sich das Feuer, das am Nachmittag bei Arbeiten im Obergeschoss entstanden war, erneut ausbreiten konnte. Akribisch hatten die Feuerwehrleute den gesamten Dachstuhl nach Ende der Arbeiten mit der Wärmebildkamera kontrolliert, und alle Messwerte lagen im grünen Bereich, deutlich unterhalb der kritischen Messwerte. Und doch muss mindestens ein Glutnest im Bereich der massiven Dämmung die Löscharbeiten überstanden habenhaben, bis schließlich das gesamte Innenleben des Dachstuhls thermisch aufbereitet war und das Dach auf der ganzen Länge in Flammen stand.

Am Mittwochmorgen präsentierte sich der Dachstuhl bar jeder Dämmung und gilt als total zerstört. Auch sämtliche Folien und Holzlattungen waren verschwunden. Die tragenden Balken sind durch die Flammeneinwirkung schwarz angekohlt. Ob der Rohbau noch wirtschaftlich zu retten ist, müssen weitere Untersuchungen ergeben, denn auch im Erdgeschoss sind die Wasserschäden erheblich, denn während der Brandbekämpfung ist das Wasser kubikmeterweise in die Flammen gepumpt worden. Nach und nach trafen während des Feuerwehreinsatzes auch die Handwerker an der Brandstelle ein und mussten mitansehen, wie die Flammen die Arbeit von mehreren Wochen in Minuten zunichte machten. Die Polizei geht von fahrlässiger Brandstiftung aus. Der Gesamtschaden liegt im mittleren sechsstelligen Betrag.


Text und Fotos: Ralph Meyer