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10. April. Salzkotten Niederntudorf.


Vor 100 Jahren wurde in Niederntudorf eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Maßnahmen zum Schutz vor Feuer und Brandkatastrophen gab es in Niederntudorf bereits deutlich früher. Vor 197 Jahren, im Jahr 1829, wurde die alte Spritze gegen eine neue große Handdruckspritze ersetzt, bereits vor 157 Jahren wurde ein Spritzenhaus gebaut. Einen materiell organisierten Brandschutz gab es in Niederntudorf vermutlich seit über 200 Jahren.

 

Salzkotten-Niederntudorf. In der Chronik des Jahres 1897 wird über den Brand der Kirche in Niederntudorf nach einem Blitzeinschlag berichtet. Der Chronist schrieb damals: „Indes gelang es dem energischen und heldenmütigen Eingreifen der hiesigen Dorffeuerwehr das Feuer zu dämpfen.“ Schon vor 129 Jahren war die Rede von einer Dorffeuerwehr. Vermutlich gab es bereits deutlich vor Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Niederntudorf eine Feuerwehr.

Auch in Dokumenten aus der Zeit zwischen 1897 und 1926 wird von der Feuerwehr Niederntudorf geschrieben. Am 30. Dezember 1925 brannte das Wohnhaus des Engelbert Dahl. Mit Schreiben vom 17.02.1926 bestätigte die Westfälische Feuersozietät Münster den Feuerwehren aus Niedern- und Oberntudorf eine gute Arbeit bei diesem Einsatz. Trotz dieser Bestätigung haben die Niederntudorfer jedoch festgestellt, dass es unerlässlich sei, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen: „Bei einem Brande müsse einer das Kommando haben.“

Die Gemeindevertretung beriet am 24.02.1926 über die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. In der Sitzung der Gemeindevertreter am 23. März 1926 wurde die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr beschlossen und festgelegt, alle wehrfähigen Männer der Gemeinde zu einer Versammlung in den Saal Lüke einzuberufen. Unter Vorsitz des Gemeindevorstehers Kaspar Klocke fand die Versammlung am 2. Mai 1926 statt. Anwesend waren unter anderem der Amtmann Darup aus Salzkotten und der Kreisbrandmeister Broer aus Büren. Nach einem erläuternden Vortrag waren 29 Männer aus Niederntudorf bereit, der Wehr beizutreten. Die Freiwillige Feuerwehr Niederntudorf war gegründet. Erster Kommandant in Niederntudorf war Kaspar Klocke, der bis 1936 im Amt blieb.

Die 1829 beschaffte Spritze diente als Grundausstattung. Sie musste bei den Einsätzen von mehreren Männern gleichzeitig bedient werden. Zum Glück gab es, neben dem 1901 im Bereich der heutigen Mühlenstraße erbauten 103 Kubikmeter großen Feuerlöschbassins, Wasserleitungen, aus denen im Brandfall Löschwasser entnommen werden konnte.

Der nächste Meilenstein, zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 1951, war die Beschaffung einer TS 8-Motorspritze. Mit der Übergabe erfolgte die Umstellung der Brandbekämpfung von Handspritze auf Motorspritze. Die mittlerweile 122 Jahre alte Spritze hatte nun ausgedient. Am 03. Mai 1952 wurde ein gebrauchter Opel Blitz angeschafft. Nun war man zum Transport der Motorspritze nicht mehr auf Pferde oder einen Traktor angewiesen.

Das noch heute genutzte Feuerwehrgerätehaus wurde im Jahr 1955 erbaut und konnte 1956 das alte Spritzenhaus ersetzen.Zum 40-jährigen Bestehen im Jahr 1966 wurde ein Löschgruppenfahrzeug LF 8-TS übergeben. Dieses Fahrzeug war bis 1991 im Einsatzdienst. 1974 traten die ersten Mitglieder in die Jugendfeuerwehr ein.Seit 1975, der kommunalen Neugliederung, ist die Freiwillige Feuerwehr in Niederntudorf eine Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Salzkotten. Zunächst als Löschzug, heute als Löscheinheit. In den 90er Jahren des vergangenen Jahrtausends gab es weitere, deutliche Veränderungen und Verbesserungen. 1991 konnte ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 8 auf einem Mercedes-Benz 814 F Fahrgestell in Dienst gestellt werden. Neben umfangreicher Ausrüstung für die Brandbekämpfung verfügte das 1990 gebaute Fahrzeug über einen Stromerzeuger, Ausrüstung für die Einsatzstellenbeleuchtung, eine Tauchpumpe, Kettensäge, Winkelschleifer und eine handbetriebene hydraulische Rettungsschere.

Von 1995 bis 1996 wurde das mittlerweile 40 Jahre alte Feuerwehrgerätehaus komplett in Eigenleistung umfangreich umgebaut und modernisiert.1996 wurde ein gebrauchtes Mannschaftstransportfahrzeug aus Katastrophenschutzbeständen in Dienst gestellt werden.

Für eine weitere deutliche Verbesserung sorgte der komplett selbst finanzierte Kauf einer IFEX-Hochdrucklöschanlage. Diese wurde fest im LF 8 verbaut und verfügte über einen 50 Liter fassenden Wassertank mit einem 55 m langen Schnellangriff. Abgegeben wurde das Wasser über eine Impulskanone. Mit dieser wurde das Wasser sehr fein zerstäubt und hatte somit eine sehr hohe Löschleistung. Ein geübter Feuerwehrmann vermochte mit dem 50 Liter großen Wasservorrat problemlos einen komplett in Vollbrand stehenden Pkw zu löschen.Im Jahr 2002 konnte ein, von der ehemaligen Betriebsfeuerwehr Nixdorf in Paderborn ausgemustertes, Tanklöschfahrzeug TLF 8/18 in Dienst gestellt werden. Das 1989 gebaute Tanklöschfahrzeug war auf einem Mercedes-Benz 814 F Fahrgestell aufgebaut. Mit einem 1.800 I fassenden Wassertank und umfangreicher Beladung war dieses Fahrzeug eine sehr gute Ergänzung zum Löschgruppenfahrzeug LF 8. In der an das Feuerwehrgerätehaus angrenzenden Großgarage mit drei Garagentoren, die bisher vom Deutschen Roten Kreuz und dem städtischen Bauhof genutzt wurde, fand das Fahrzeug einen Stellplatz.

Nach der Fertigstellung des DRK-Neubaus in Salzkotten konnte auch ein zweiter Stellplatz der Großgarage übernommen werden. Von Ende 2006 bis zum Frühjahr 2007 wurde die Großgarage in Eigenleistung renoviert und neue, breitere Tore wurden eingebaut. Jetzt fanden sowohl das Tanklöschfahrzeug TLF 8/18 als auch das Löschgruppenfahrzeug LF 8 ihren Platz in der sanierten Großgarage. Hierdurch wurde im Feuerwehrgerätehaus ein Fahrzeugstellplatz frei. Der wurde in Eigenleistung zu einem großen Umkleideraum umgebaut werden, da der alte, für 30 Personen ausgelegte, Umkleideraum mittlerweile viel zu klein geworden war.

Im Jahr 2006 musste das alte Mannschaftstransportfahrzeug außer Dienst gestellt werden. Ersetzt wurde es durch ein von der E.ON gespendetes Fahrzeug. Die Umrüstung zu einem Mannschaftstransportfahrzeug erfolgte wiederum in Eigenleistung. 2009 wurde aus Spenden- und Eigenmitteln ein vollautomatischer Defibrillator angeschafft. Im Jahr 2013 konnte im Rahmen eines Ringtausches ein Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 übernommen werden. Das Tanklöschfahrzeug TLF 16/25, Baujahr 1994, war seit 1995 beim Löschzug Salzkotten im Dienst. Es wurde für die Niederntudorfer Belange umgerüstet und ist seit 2014 im Einsatzdienst. Neben den 2.500 I Wasser an Bord bestand erstmals auch die Möglichkeit, die Atemschutzgeräte bereits während der Anfahrt anzulegen. Die umfangreiche, weit über die Norm hinausgehende, Beladung ermöglichte einen effektiven Ersteinsatz. Der Löschzug Scharmede erhielt das TLF 8/18.2016 konnte dann, passend zum 90. Geburtstag des Löschzuges, ein neues Mannschaftstransportfahrzeug in Dienst gestellt werden. Der vier Jahre alte Volkswagen T5 wurde von einem Zivilfahrzeug zu einem Feuerwehrfahrzeug umgerüstet.

Im Jahr 2020 wurde dann das 1990 gebaute und 1991 in Dienst gestellte Löschgruppenfahrzeug LF 8 durch einen modernen Nachfolger ersetzt.Die Firma Ziegler aus Giengen an der Brenz lieferte ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 10. Nach umfangreicher Einweisung wurde das Fahrzeug am 30. Dezember 2020 offiziell in den Einsatzdienst gestellt. Das Löschgruppenfahrzeug LF 8 und der alte Schlauchanhänger wurden außer Dienst gestellt.Das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 10 war das erste Fahrzeug seiner Art für die Feuerwehr Salzkotten. Das zweite, baugleiche ging an die Löscheinheit Thüle.

Heute sind bereits sechs baugleiche Fahrzeuge bei den Einheiten Upsprunge, Verlar, Scharmede und Verne im Dienst. Ein siebtes für die Löscheinheit Salzkotten wird in diesem Jahr ausgeliefert.Aktuell stehen, zum Schutz der Bevölkerung in Niederntudorf und natürlich im gesamten Stadtgebiet, der Löscheinheit Niederntudorf drei Fahrzeuge zur Verfügung. Als Allzweckwaffe ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 10, ein Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 und ein Mannschaftstransportfahrzeug mit Transportanhänger.

Das aktuelle Feuerwehrgerätehaus wurde vor etwa 70 Jahren erbaut, vor 30 Jahren umgebaut und zwischenzeitlich mehrfach renoviert und angepasst. Auch die Großgaragen, 1966 für den zivilen Bevölkerungsschutz gebaut, sind bereits 60 Jahre alt. Beide Gebäude genügen nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Die Sozial- und Umkleideräume reichen für die aktuell 61 Kräfte in der Einsatzabteilung nicht mehr aus. Ebenso genügen die Abmessungen der Garagen nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Seit 2009 ist Markus Petsche Löschzugführer. Vorher hatte Hans-Josef Roeren das Amt von 1984 bis 2009 inne. Bereits im Jahr 2024 stellte die Löscheinheit bei der Stadt Salzkotten einen Antrag auf Beseitigung der baulichen und räumlichen Mängel durch einen Neubau. Ein gemeinsamer Standort mit der Löscheinheit Oberntudorf wurde ausdrücklich befürwortet. Dort bestehen vergleichbare Herausforderungen. Im Herbst 2025 wurde beiden Einheiten ein möglicher gemeinsamer Standort durch die Stadt Salzkotten vorgestellt. Beide Einheiten sprachen sich für den zukünftigen Standort an der Straße „Brockensklee“ aus.

Im Dezember 2025 beschloss der Rat der Stadt Salzkotten ein Flächennutzungsplanänderungsverfahren durchzuführen, um auf dem aktuell als Gewerbefläche dargestellten Grundstück planungsrechtlich einen Feuerwehrstandort zu ermöglichen. Die Personalsituation ist heute eher eine Herausforderung als die zur Verfügung stehende Technik. Tagsüber werden die Löscheinheiten Niedern- und Oberntudorf bei jedem Einsatz gemeinsam alarmiert. Durch diese Maßnahme ist sichergestellt, dass bei jedem Einsatz genügend Personal zur Verfügung steht.

Das „Hundertjährige“ wird im Anschluss an den Verbandstag der Feuerwehren im Kreis Paderborn am Samstag, 25. April, in der Kleeberghalle gefeiert. Der Festakt beginnt um 19 Uhr, anschließend sorgt DJ Niklas Sprenger für die nötige Stimmung bei der Jubiläumsfeier.

Bericht: Ralph Meyer